Teil eines Werkes 
1. Band (1863)
Entstehung
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Mittagsglocke mit zermalmtem Herzen und leichen⸗ blaſſen Wangen ihren Weg nach dem Hauptgebäude nahm, um ihren Anzug für die Tafel zu ordnen.

Minna betrachtete ſie, während ſie ihr half, mit unruhigen Blicken.

— Minna,— ſagte Albertine ſchließlich mit einer milden und traurigen Stimme— zwiſchen mir und Mama wird nachher ein harter Kampf ſtattfinden; derſelbe gilt Richard.— Sie weiß Alles.— Ich werde nie Muth beſitzen, dieſen Kampf zu beſtehen, wenn ich bei jedem Auftritt fürchten muß, daß Du dabei die Leidende würdeſt. Wir müſſen uns des⸗ halb für einige Zeit trennen, meine liebe, geliebte Minna. Weine nicht, ſehe nicht ſo verzweifelt aus, denn Dein Schmerz vermehrt nur meine Leiden. Sei ſtark Minna, ſtark meinetwegen, und glaube nur, unſer beider Wohl verlangt dieſen Schritt. Statt von meiner Mutter gezwungen zu werden, mich zu verlaſſen, wirſt Du ihr ſelbſt Lebewohl ſagen, denn Du kannſt hier bei meiner Tante und Jenny blei⸗ ben, bis wir einmal uns wieder, ſo Gott will, ver⸗ einigen können.

Minna war auf einen Stuhl geſunken und ver⸗ barg das Geſicht in den Händen. Sie weinte hef⸗ tig, aber ohne ein Wort der Klage vernehmen zu laſſen. Albertine ſchlang ihren Arm um ihren Hals und auch ihren Augen entfielen einige Thränen, als ſie flüſterte:

— Minna, mein liebes Kind, weine nicht! Du kannſt doch nie ſo unglücklich ſein wie ich.

Minna blickte Albertine ins Geſicht und darin

ſtand zu deutlich all der Schmerz zu leſen, welcher 1