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Am folgenden Morgen ſchlich Jenny ganz ſtill die Treppe hinunter und fragte in der Küche:
— Iſt der Major aufgeſtanden?
— Ja, er iſt in ſeinem Zimmer.
Jenny machte dreiſt die Thür zu des Vaters Kammer auf und trat unerſchrocken ein.
Der Major ſaß an einem Tiſch, den Kopf auf die Hand geſtützt und den Blick auf einen aufge⸗ machten Brief geheftet.
— Guten Morgen, Papachen,— ſagte Jenny und ging auf ihn zu.
— Biſt Du es, mein Mädchen! Guten Morgen liebes Kind; ſchon auf, und fröhlich und munter, wie ich ſehe!
Beim Anblick der Tochter klärte ſich die finſtere Stirne des Majors auf und er ſtrich liebkoſend mit der Hand über ihr helles, ſeidenweiches Haar.
— Du ſahſt ſo bekümmert aus, als ich eintrat; iſt Dir etwas Unangenehmes paſſirt?
— Ich habe vom Baron einen ſonderbaren Brief erhalten, der meine Gedanken auf eine längſt ver⸗ ſtorbene Perſon gelenkt hat.
— Auf wen denn?
— Auf meine jüngere Schweſter, welche ganz jung ſtarb.
— Ja, ich habe Dich ſagen hören, daß ſie ſehr ſchön geweſen.
— Und ſehr gut; Gott weiß, woher ſie die Gottesgabe bekam, denn Sophie und ich gehören gerade nicht zu den weichherzigen.
— Aber Du biſt es doch noch viel mehr, als Tante Sophie.


