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Als Ihre Gnaden allein war, blieb ſie aufrecht im Bette ſitzen mit einem Ausdruck im Geſicht, wel⸗ cher faſt einem weniger beherzten Manne Furcht hätte einjagen können.
Sie führte die Hand langſam über die bleiche Stirne und murmelte für ſich:
— Ja ſo, Mamſell Minna! Sie begleiten meine Tochter auf ihren heimlichen Zuſammenkünften! Sie ſind Mitwiſſerin eines gemeinen Liebeshandels! Es war alſo nicht genug, daß ich Sie wegen einer Schande verabſcheute, die Ihr Vater meiner Familie zugefügt; ich müßte Sie für Ihre eigene Rechnung verabſcheuen, und das ſollen Sie mir theuer bezahlen. Wenig nützt jetzt die Fürbitte des Barons. Uebrigens, was habe ich mit dem Baron zu thun? Aber Minna, Minna, die ich nie habe ausſtehen können, welche ich nur aus Furcht beherbergt, gekleidet und geſpeiſt habe, ſie, ſie ſoll bald ihre gehörige Strafe erhalten.
Erſt gegen Mitternacht verließ Jenny Albertine, und beim Abſchied von ihr bemerkte Jenny, indem ſie die Hand der Couſine drückte, mit tiefer Rührung:
— Verlaſſe Dich auf mich, Minna wird eine Heimath auf Rönby erhalten. Ich kenne das Herz des Papa, und er hilft, wo er kann.
— Dank, Jenny, tauſendmal Dank! Mein Herz hätte bluten müſſen, wenn ich gezwungen würde, zu denken, daß Minna, meine Jugendfreundin, meine Genoſſin in Freude und Schmerz, meinetwegen in die Welt hinausgejagt worden wäre.


