17
— Frau von Krug verbeugte ihren Kopf maje⸗ ſtätiſch und ging mit ſteifer Haltung aus dem Zim⸗ mer in ihr Schlafgemach.
Als ſich die Thüre hinter der Mutter geſchloſſen, that Albertine erleichtert einen tiefen Seufzer und eilte, als ſie die Thüre zum Zimmer der Mutter wieder zuſchließen hörte, mit ſchnellen Schritten hin⸗ auf zu dem ihrigen.
In jeder Ecke von Albertinens mit ſtrenger Symmetrie geordnetem Gemach fand man Spuren des Geſchmacks der Mutter und nichts, was darauf hindeutete, daß es die nette Wohnung eines jungen Mädchens ſei. Alle die reizende Annehmlichkeit, welche die Wohnung einer neunzehnjährigen Jungfrau auszuzeichnen pflegt, war aus der der Albertine ver⸗ bannt. Keine Blumen zierten ſie, kein Vogel ſang ſeine fröhlichen Lieder, kein kleiner Bücherſchrank deutete an, daß die Eigenthümerin ſich oft mit den ausgezeichneten Schriftſtellern ihres eigenen Landes und denjenigen anderer Länder beſchäftigte. Nein, theure, maſſive Meubles, die ſchnurgerade an den Wänden aufgeſtellt waren, ſchwere Damaſtgardinen und eine mit Silber überladene Toilette machten die Ausſtattung des Zimmers aus. Ueber dem Gan⸗
zen ruhte etwas Kaltes und Steifes, welches allen
Comfort ausſchloß.
Albertine warf ſich in das Sopha, ſchleuderte die beiden Kiſſen weit von ſich, ſchob die Schemel hin⸗ aus auf den Fußboden und drückte die Hände gegen die Bruſt, während ſie vor ſich hinflüſterte:
— O mein Gott, ein ſolches Sclavenleben!—
Dann ſprang ſie auf, ſchob alle Stühle von ihren Schwartz, Zwei Familienmütter. I. 2


