Teil eines Werkes 
1. Band (1863)
Entstehung
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wird, als man ihm ſonſt zuertheilte, ſo habe ich es für nothwendig gehalten, dieſe Schilderung von ſeiner Perſönlichkeit zu geben.

Die Profeſſorin Sophie von Krug war aus einem alten angeſehenen Geſchlecht, aber ohne Vermögen. Wie der Profeſſor je dazu kam, Fräulein Sophie zu freien, das war etwas, das weder er ſelbſt, noch ſonſt irgend ein Menſch begreif en konnte. Hätte man die Frau Profeſſorin auf Gewiſſen gefragt und wäre ſie gezwungen geweſen, das Geheimniß zu verrathen, ſo hätte ſie gewiß geſtehen müſſen, daß ſie bei der Freierei die Hauptrolle geſpielt, weil ſie in aller Eile das lebhafteſte Mitleid mit dem armen, ſtets zerſtreuten von Krug zu ſpüren begonnen hatte. Dieſer war der einzige Sohn von einem ſehr reichen Kanzleirath, welcher wiederum mit ihrem Vater in genauer Verbindung ſtand. Genug, ſie wurden zur großen Ueberraſchung für den Brihtihun ſelbſt ver⸗ heirathet.

Jetzt einige Worte über die Perſönlichkeit der Frau Sophie. Sie war ein langes, mageres Frauen⸗ zimmer und hatte eine gerade und gravitätiſche Hal⸗ tung. Auf dem langen und ſchmalen Hals thronte ein großer Kopf, welcher beſſer für einen Mann als für eine Weibergeſtalt gepaßt hätte. Das braune Haar umſchloß eine ziemlich hohe Stirne. Die klei⸗ nen hellgrauen Augen waren ſcharf und klar, wie hellpolirter Stahl. Die gerade Naſe und der kleine Mund mit den ſtark zuſammengekniffenen Lippen gaben der ganzen Geſichtsbildung den Ausdruck eines unbeugſamen Willens und der Herrſchſucht. Es fiel Niemanden, dem die Profeſſor von Krug ſteif und