Teil eines Werkes 
1. Band (1864)
Entstehung
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waren zwei Briefe darin an Calla. Der eine war von ihrem Verleger, welcher ihr mittheilte, daß die zweite kleine Arbeit gedruckt worden ſei. Das junge Mädchen hatte daſſelbe ohne alle Anſprüche auf Re⸗ form oder Prätenſion, ihre Ideen geltend zu machen, geſchrieben.

Es war lediglich das Product ihrer Einbildung, lebendig, anmuthig und ohne alles Jagen darnach, Aufſehen zu erregen.

Der Verleger fügte der Nachricht vom Druck einige ſchmeichelhafte und aufmunternde Worte von dem Erfolg, den er ihr prophezeite, hinzu, und be⸗ ſtärkte ſie darin, auf der Laufbahn, die ſie gewählt, zu beharren. Der andere Brief dagegen war von ihrer früheren Lehrerin, Mamſell Brun, welche ihre Schrift von der Emancipation des Weibes auf das überſchwenglichſte lobte und ſie aufmunterte, fortzu⸗ fahren und nicht müde zu werden.

Die Schmeichelei iſt ein Gift und dieſe beiden Briefe, welche ſo vollkommen geeignet waren, der Eitelkeit zu ſchmeicheln, brachten alle andern Eindrücke im Herzen des jungen Mädchens zum Schweigen; daſſelbe wurde von einer unwiderſtehlichen Begierde ergriffen, berühmt zu werden, was man bei dem Manne Ehrgeiz, bei dem Weibe aber ſchlecht und recht Eitelkeit nennt.

Jetzt glaubte Calla, ſie ſei von Natur mit Genie begabt, und dachte ſich bereits als diejenige, welche alle Frauenzimmer, deren Namen in der Literatur irgend einen Werth hätte, verdunkeln würde. Sie würde eine Sonne werden, die mit ihrer Pracht alle dieſe, jetzt in ihren Augen ſo kleinen Geſtirne, über⸗