Teil eines Werkes 
1. Band (1864)
Entstehung
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ſtrahlte. Sie würde eine zweite Madame Stasl, ein George Sand werden.

Arme Calla! wie weit führte Dich nicht jetzt Deine Phantaſie, wo die Stimme der Vernunft ſich nicht geltend machen konnte, um Dich daran zu erin⸗ nern, daß wir in der Literatur Frauen haben, die ſo hoch ſtehen, daß es keine leichte Sache iſt, ſie zu erreichen, geſchweige denn zu übertreffen. Wenn man aber neunzehn Jahre alt iſt, dann ſieht man Alles, vorzüglich aber ſeine eigenen Verdienſte, durch ein Vergrößerungsglas.

Die natürliche Folge dieſer geſteigerten Eitelkeit war, daß ſie, als der Vater und ſie das Geſpräch wie⸗ der aufnahmen, Alles aufbot, um ihn dazu zu be⸗ wegen, auf ihre Seite überzugehen. Sie liebkoſte ihn, ſie ſchmeichelte ſeiner väterlichen Eigenliebe, ſie ſprach davon, einſt eine zweite Frederika Bremer oder Frau Carlén zu werden; ganz als wenn das eine abgemachte Sache geweſen wäre. Wie ſie jetzt da ſprach, ſchmeichelte und liebkoſte, gelang es ihr wirk⸗ lich, den Vater in eine ganz andere Gemüthsſtimmung zu verſetzen.

Nun, mein Gott! wenn Du glaubſt auf die Weiſe glücklich werden zu können, ſo ſchreibe denn, liebes Kind! Freilich hätte ich lieber geſehen, daß Du ſchlecht undr echt ein Weib geblieben wäreſt.

Auf dieſe Weiſe hatte Calla den Vater dazu be⸗ wogen, den erſten Schritt zu thun; jetzt galt es, ihn nach und nach zu anderen Conceſſionen, von denen ſie träumte, zu bewegen, damit ſie ihr Leben nach den Grundſätzen einrichten könnte, welche ſie in Beziehung auf die Stellung des Weibes feſthielt.