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6— Du biſt alſo ein Blauſtrumpf, Kind!— ⁵ ſtöhnte der arme Vater und ſtarrte die Tochter an. — Ich bin Schriftſtellerin. — Kind, Kind, Ihr habt Euch gegen mich ver⸗ ſchworen!— rief Milner. — Ach! Papa, fühlſt Du Dich denn nicht glück⸗ lich darüber, daß Deine Töchter nicht zu jenen All⸗ tagsweibern gehören, welche ihre alten Gewohnhei⸗ ten wiederkäuen und ſich in ſtumpfer Dummheit un⸗ ter Jahrhunderte alte Vorurtheile beugen? Papa, glaube nicht, daß eine blinde Eitelkeit oder eine überſpannte Phantaſie mich dazu bewogen haben, Schriftſtellerin zu werden. Nein, ich habe mich durch edlere Beweggründe zu dieſer Schrift berufen gefühlt. In demſelben Maße, in welchem ſich mein Verſtand entwickelte, erweiterte ſich auch mein Geſichtskreis, und ich fing an über die Stellung des weiblichen Geſchlechts im Leben nachzudenken. Einige kleine poetiſche Verſuche während meiner Penſionszeit, welche von meinen Mitſchülerinnen und Lehrerinnen mit Beifall aufgenommen wurden, ſowie auch die Erklärung der erſten Gouvernante, Mam⸗ ſell Brun, daß ich wirklich Talent beſäße, um als Schriftſtellerin aufzutreten, bewirkten, daß ich die Zeit, welche ich zu Hauſe geweſen dazu benutzt habe, 4 die Schritte auf der Schriftſtellerlaufbahn zu thun,
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und das lediglich, um mein Geſchlecht zu eman⸗ piren
— Emancipiren, emancipiren!— wiederholte Milner. — Ja, meinſt Du nicht, daß das nöthig iſt? — Caila, Calla, auch Du beſchwörſt Kummer


