173
Das Wort Sängerin bedeutete für den einfachen Milner ungefähr daſſelbe wie herumreiſender Taſchen⸗ ſpieler oder dergleichen.
Zu ſeiner Entſchuldigung muß man jedoch an⸗ führen, daß er nie im königlichen Theater geweſen, nie Jenny Lind gehört, und daß er in dergleichen Dingen vollkommen fremd war. Nehme man noch dazu, daß er eine bedeutende Portion Eitelkeit beſaß und daß er vor Allem, was den geringſten Flecken auf ihn oder ſeine Familie werfen könnte, eine große Angſt hatte.
— Sängerin! was in Gottes Namen ſagſt Du? Willſt Du Sängerin werden? Du, die eine ſo gute Erziehung genoſſen und die Tochter eines ehrlichen Mannes biſt.
— Beſter Papa! laß mich erklären, was ich meine,— antwortete Eliſe lächelnd;— Du blickſt mich ja ſo erſchrocken an, als wenn ich im Begriff ſtände, ein großes Verbrechen zu begehen.
In demſelben Augenblick öffnete ſich die Thüre und Calla trat ein.
— Das war hübſch, daß Du kamſt,— ſagte der Vater zu ihr; Eliſe iſt im Begriff, mir ſchöne Neuigkeiten mitzutheilen, mußt Du wiſſen.
— Um was handelt es ſich?
— Eliſe will Sängerin werden!
Milner ſah Calla mit einer Miene an, als wenn er erwartet hätte, daß ſie vor Entſetzen zu Boden ſtürzen würde.
— Ja, ich weiß es,— antwortete ſie mit der größten Ruhe von der Welt.


