Teil eines Werkes 
1. Band (1864)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

142

Ich habe Calla lieb, und ich will nicht, daß wir Rivale werden. Darum, wenn Du in ſie verliebt biſt, dann iſt es Zeit, daß ich an eine Retraite denke. Niemals kann es mir einfallen, mit Dir wegen dem zu ſtreiten, das Dein Glück bereiten kann. Sage mir deshalb ehrlich, welche Gefühle Du für ſie haſt.

Was in Erlands Herz vorging, wiſſen wir nicht genau; daß aber ſich widerſtreitende Gefühle daſſelbe bewegten, das konnte man an dem wechſelnden Aus⸗ druck in ſeinen Zügen ſehen. Die letzten Worte des Bruders hatten durch die einfache und treue An⸗ hänglichkeit, welche ſie ausdrückten, in der That den beſſeren Menſchen in ihm angeſchlagen. Er reichte Harald ſchweigend die Hand und drückte ſie, ohne zu antworten, mit einer in neuerer Zeit ungewöhnlichen Wärme.

Sie wanderten eine zeitlang ſchweigend neben einander. Endlich ſagte Erland:

— Du glaubſt alſo, daß Calla Deine Liebe er⸗ 5 wiedert?

— Die Frage habe ich mir vor heute niemals vorgelegt.— Vielleicht habe ich es früher auch nicht gefühlt, wie theuer ſie mir iſt. Meine Neigung zu Calla iſt gewachſen, ohne daß ich über dieſelbe reflec⸗ tirt habe.

— Nun, wie gedenkſt Du jetzt zu handeln?

— Laß es gehen wie bisher; falls ich Dir nicht im Wege ſtehe.— Ich bin zu jung, zu abhängig, um ihr anbieten zu können die Freuden und Sor⸗. gen des Lebens mit mir zu theilen. Es kann nie vorkommen, daß ich mit dem Mädchen, welches ich