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— Ich habe mir dieß wohl gemerkt, geſtand das Mädchen.
— Das freut mich! Auch mein Vorname klingt ſehr fromm! Einer meiner urälteſten Namens⸗ vettern war der ſchönen Eſther altteſtamentariſcher Pflegevater. Ich habe ihn freilich nicht gekannt, mein Lehrer aber, bei welchem ich einen Tag in die Schule gegangen, verſicherte mir, Mardochai ſei ein frommer Herr und nebenbei Schloßhauptmann oder Gott weiß, was bei dem Perſerkönige Ahasverus geweſen, der deſſen Pflegetochter Eſther geliebt. Mein äußerſt reſpectabler Namensvetter, der auf ſpeciellen Befehl Seiner Excellenz des wirklichen Staatskanz⸗
lers oder Großveziers Herrn von Haman gehängt⸗
werden ſollte, ſteckte ſich hinter Eſther, die es durch⸗ zuſetzen wußte, daß der Spitzbube Haman gehängt, und der würdige Mardochai deſſen Nachfolger, nicht am Galgen, wohl aber in deſſen Amte ward. Vielleicht werde auch ich einmal zum Galgen verurtheilt und ſpäter zum Großvezier ernannt. Unterdeſſen aber hätte ich eine große Bitte an Euch.
— Was kann Lubhmila für Euch thun?
— Ihr könntet mir den großen Gefallen erwei⸗ ſen, mich zu heirathen!


