Bei Nemung dieſes Namens entfärbten ſich die von durchſichtigem Carmin angehauchten Wangen der Gräfin. Ein Paar Secunden lang unentſchloſſen, ob ſie Eva abweiſen oder vorlaſſen ſollte, fragte ſie ſich in Gedanken:
— Warum nicht geſtern oder morgen erſt? Warum gerade heute, warum gerade jetzt? In dieſem Augenblick iſt der Beſuch dieſer Dame mir doppelt läſtig und unangenehm. Und dennoch brenne ich ſeit Monden ſchon vor Nengier, dieſe vielgeprieſene Schönheit von Angeſicht zu Angeſicht zu ſehen. Was mag ſie von mir wollen? Und ich, was ſoll ich thun? Sie jetzt, gerade jetzt vorlaſſen oder ſie abweiſen und ihr ſagen laſſen, ein ander Mal wie⸗ derzukommen? Nein, nein, das Letztere wäre hart. Ich will meiner Nengier ein Opfer bringen, meine Ungeduld bekämpfen und ihr erlauben, mich jetzt zu ſprechen.— Laßt ſie eintreten, ſagte ſie endlich.
Bald fanden ſich beide Frauen— die Gräfin im höchſten Staate, das Fräulein in tiefſter Trauer — ſchweigend gegenüber und Jede von ihnen ſchien, ſich gegenſeitig betrachtend, erſt Faſſung gewinnen zu wollen, um ſich anzureden. Eva gewann die Kraft über ſich, dieſes Schweigen, in dem ſich ein


