Teil eines Werkes 
2. Band (1856)
Entstehung
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den durch ihre Anerkennung beglückten Künſtler mit

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der Künſtler, ſeine Palette bei Seite legend und aufſtehend, um ſeinen Platz der Gräfin einzuräumen.

Sie betrachtete das Bild einige Minuten. Dann ſagte ſie mit dem einſchmeichelndſten Zauber, der ihrer Stimme zur Verfügung ſtand:

Jetzt, Meiſter, gefällt mir Euer Bild. Je länger mein ſtolzer Blick auf Eurer ſchönen Schöpfung verweilt, deſto lauter fühlt mein Herz, daß ich Euch vorhin durch unverdienten Tadel ſchwer gekränkt haben muß. Vergebt es mir, großer Meiſter! Die Schatten meiner trüben Stimmung hatten ſich vorhin auf die Lichter Eurer Kunſt geſenkt und Euer unläugbares

WVerdienſt ungerecht verdunkelt. Noch einmal, Mei⸗

ſter, verzeiht es mir! Ihr macht mich ſtolz, holde Gräfin.

Wer hat ein Recht es mehr zu ſein als Johann von Aachen, der von aller Welt gefeierte Künſtler, der Liebling und Vertraute ſeines großen Kaiſers!

Der Himmel erhalte Seine kaiſerliche Majeſtät! Dieß iſt auch mein tagtägliches Gebet. Ihr habt nun Euer Bild vollendet. Rudolph wird Euch kaiſerlich dafür belohnen. Bald kehren wir nach Prag zurück, ſchloß die Gräfin und entließ