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Armen vor das Bild, betrachtete es einen Augen⸗ blick und ſagte dann mit empörender Ruhe:
— Aufrichtig geſagt, es gefällt mir nicht!
— Das Bild? fragte der Maler betroffen.
— O nein, ich habe Euch ja ſchon oft geſagt, daß ich es ſchön, ſehr ſchön, wenn auch nicht ganz ähnlich finde...
— Was alſo mißfällt Euch daran?
— Das Coſtume, Meiſter Johann von Aachen! Ich würde es vorgezogen haben, mich durch Euch in einer viel kleidſamern Tracht verewigt zu ſehen, zum Beiſpiel als Diana..
— Als Göttin der Kenſchheit? fragte der Schmeichler.
— Sagt lieber als Königin der Jagd! Dann kommt Ihr der Wahrheit viel näher und erſpart uns Beiden das läſtige Gefühl des Erröthens.
Der Maler ſchwieg, weil er nicht wußte, was er auf die ziemlich harte Selbſtanklage der Gräfin erwidern ſollte.
— Ich haſſe die Schmeichelei, fuhr ſie fort, ſich niederſetzend, denn Schmeichelei iſt eine Zwil⸗ lingsſchweſter der Lüge, und aus dieſem Grunde ſeid Ihr, Söhne Raphaels, mehr oder minder Alle arge Lügner.


