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Aachen die huldreiche Erlaubniß gewährt, ihr für den Kaiſer beſtimmtes Bild hier mit Muße vollenden zu dürfen.
Sie ſaß ihm oft tagelang nicht. Eine leiden⸗ ſchaftliche Verehrerin der Jagd, pflegte ſie es vorzu⸗ ziehen, jedes Mal, ſo oft ihr Arzt und die Witterung es ihr geſtatteten, in Begleitung einiger Diener nach dem Eichwalde hinauszureiten und ſich dort mit dem ganzen Ungeſtme ihrer ſanguiniſchen Gemüths⸗ art allen Genüßen und Gefahren der Jagd hinzuge⸗ ben. An Lurus gewöhnt, liebte ſie es auf dieſen Ausflügen ſtets in reichem, faſt theatraliſchem Coſtume, am häufigſten und liebſten in grüner Atlasrobe und ſchwarzem mit Goldſchnüren beſetzten Sammetmie⸗ der, einem weißen mit langen Reiherfedern geſchmück⸗ ten Filzhute, rothen Halbſtiefeln und einer mit Bril⸗ lanten beſetzten Reitgerte zu erſcheinen. Letztere war ein Geſchenk des Kaiſers.
Eines Nachmittags, als die Gräfin weit früher als gewöhnlich von der Jagd heimgekehrt war, ver⸗ ſpürte ſie endlich einmal wieder Luſt, dem Maler eine halbe Stunde ihrer müßigen Zeit zu ſchenken. Er ſetzte ſich an die Staffelei. Die Gräfin, noch immer in ihrem Jagdeoſtume, ſtellte ſich mit verſchränkten


