Teil eines Werkes 
2. Band (1856)
Entstehung
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Sirene gefangen nehmen und mehr und mehr in's goldene Netz ihres verführeriſchen Reizes hineinlocken ließ. Genug, Rudolph ſchwärmte für ſie. Und nach

und nach hatte ſie durch die Anziehungskraft ihres

blendenden Geiſtes, wie durch den Nimbus ihres zurückhaltenden Weſens ſo viel Herrſchaft über ihn gewonnen, daß er ohne es kaum zu ahnen ja viel weniger es zu wiſſen, der Sclave ihres ihm oft unerklärlichen Willens, der Spielball ihrer ſich häufig widerſprechenden Launen geworden war.

Was ſie mit dieſem räthſelhaften Wechſel von Anziehung und Abſtoßung ihres kaiſerlichen Anbeters bezweckte, wußte Niemand außer ihr ſelbſt.

Die Gräfin war wie faſt jede Andere in derſelben Lage und Stellung zuerſt ein Gegenſtand des Neides, dann ein Mittelpunct der höfiſchen Mediſance und endlich Letzteres wahrlich unver⸗ dient eine Zielſcheibe des allgemeinen Haſſes geworden.

Maria Magdalena ließ ſich dadurch nicht ein⸗ ſchüchtern und verfolgte, wenn auch dann und wann von innerer Reue gequält, doch feſt und beharrlich das weit entfernte Ziel ihres ſtillverſchwiegenen Ehr⸗ geizes.

Die Gräfin war mit dem Kaiſer auf Brandeis,