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gedacht. Bei aller Gluth der Sinnlichkeit, die jeden ihrer Züge, jede ihrer Mienen, jeden ihrer Blicke elek⸗ triſch durchzuckte, machte ſich ein ſcharf ausgeſprochenes, all jene ſinnlichen Linien milderndes Gefühl banger Reue bemerkbar, die alles Unſchöne, Unedle in dieſem Antlitz gleichſam verſöhnte, verſchönte und verklärte. Ihre Seele ſchien es gleichſam zu bereuen, baß ſie in einem ſo ſchönen und zur Sünde ſich hinneigen⸗ den Körper wohne. Die Luſt, die er ausathmete, mahnte weniger an den Duft betäubender Blumen, als an den einſchmeichelnden Geruch kaum gepflück⸗ ten, friſchen Obſtes, das nur Eine Hand berührt zu haben ſchien.
Weniger ſchön als pikant, weniger gut als geiſtreich, mehr berechnend als natürlich, war Gräfin Maria Magdalena mehr kokett als liebenswürdig, mehr eroberungsſüchtig als eroberungswerth, aber trotz aller dieſer Schatten⸗ und Lichtſeiten ihrer Perſönlichkeit wie ihres Charakters, gefährlich für jeden Mann, der mit dieſer Circe des prager Hofes in Berührung kam.
Kein Wunder alſo, daß ein für Frauenſchönheit ſo raſch empfängliches Herz, wie das des zweiten Rudolphs, ſich von dem Zauber der geheimnißvollen


