Teil eines Werkes 
2. Band (1856)
Entstehung
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von gutem böhmiſchen Adel war und für eine der verfüh⸗ reriſchſten und geiſtreichſten Damen des rudolphini⸗ ſchen Hofes galt.

Sie glich der egyptiſchen Clevpatra, wie ſie aus der farbenſatten Palette Guido Reni's auf jenes Stück Leinwand übertragen worden, das jetzt eine der ſchönſten Zierden des Jupiter⸗Saales in der florentiniſchen Bildergallerie degli ufficj iſt. Der Biß der Schlange, mit welcher die Geliebte des Triumvir Antonius auf jenem Bilde mit eigener Hand ihr Herz vergiftet, dünkt uns ein Symbol der Reue, die ſie über die Sünden ihrer Jugend zu empfinden ſcheint. Magdalenens liebeträumendes Ge⸗ ſicht, ein zartes Gewebe von Milch und Blut; ihre dunkelſchwarzen, langgewimperten, tief nachdenkenden Augen, erhellt von den blitzenden Abſpiegelungen ihrer von ewiger Reue beunruhigten Seele; ihr pur⸗ purfriſcher Mund, von einem faſt beſtändigen Lächeln bitterer Wehmuth umſpielt; ihr dunkelbraunes Haar, das in ungekünſtelten Ringellocken theilweiſe auf ihre üppig gewölbte Bruſt und auf den blendendweißen Marmor ihres Nackens herniederfiel; ihre impoſante Geſtalt und ihre ſtolze Haltung verliehen ihrer gan⸗ zen äußeren Erſcheinung eine Aehnlichkeit mit jener Clevpatra, wie ſie ſich jener italieniſche Meiſter