Teil eines Werkes 
4. Band (1856) Kaiser Rudolph II. und seine Zeit
Entstehung
Einzelbild herunterladen

269

mehrere Diener des Kaiſers wurden, der Veruntreu⸗ ung verdächtigt, bald nach dem Tode deſſelben ver⸗ haftet. Des Kaiſers Nachlaß war in der That über alle Erwartung groß: Rudolph hieß nicht ohne Grund der deutſche Hermes Trismegiſtos; denn unter dem Nachlaſſe fanden ſich außer einer aſchgrauen Tinetur, die ihm im Vereine mit Michael Sendivof und Anſelm de Boodt anzufertigen geglückt ſein ſoll, im kaiſerlichen Schatze noch 60 Centner Silber und 84 Centner künſtlich bereitetes Gold, in Ziegelſteinform gegoſſen, wie Mauerſteine aufgeſchlichtet, gewogen und mit Nummern verſehen.

Rudolphs Körper ward gesöffnet und einbalſa⸗ mirt. Die Beiſetzung der irdiſchen Hülle ward bis zur Ankunft ſeines brüderlichen Nachfolgers hinaus⸗ geſchoben.

König Matthias langte auf die Nachricht vom Tode ſeines Bruders in Begleitung ſeiner erlauchten Gemahlin am 30. Januar in Prag an, und ward von den Ständen und der Buͤrgerſchaft mit unbe⸗ ſchreiblichem Jubel empfangen.

Am 6. Februar ward Kaiſer Rudolphs Leichen⸗ begängniß gefeiert. Die kaiſerliche Leiche war von dem getreueſten Anhänger Seiner Majeſtät, vom Herzog Heinrich Julins von Braunſchweig, und von