Teil eines Werkes 
4. Band (1856) Kaiser Rudolph II. und seine Zeit
Entstehung
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erhielt von ihrer Freundin, der Aebtiſſin, den Klo⸗ ſternamen Eva.

Des Kaiſers nächſte Umgebung hatte Rudolphs Todeskrankheit ſorgfältig verheimlicht. Wie ein Blitz traf daher die Bewohner Prags die Kunde von des Kaiſers plötzlichem Ende, welches der kaiſerliche Obriſt und Hatſchierencvmmandant Adam von Trautmanns⸗ dorf in den Straßen Prags durch Herolde laut ver⸗ künden ließ.

Von allen Thürmen Prags töoͤnten Trauerglok⸗ ken, der Stadtrath ließ Muſik und Tanz verbieten, und wer nur immer konnte, zog ſchwarze Gewänder an. Auf allen Thürmen und Söllern wurden Kla⸗ gefahnen aufgeſteckt, die Kirchen wurden mit ſchwar⸗ zen Tüchern ausgeſchlagen, die Altarbilder verhängt und Trauergerüſte errichtet. Vom früheſten Morgen bis ſpät zu Nacht waren die Kirchen und Capellen voll von Betenden, welche den Allerbarmer für das Seelenheil ihres Kaiſers und Königs, deſſen ſchweren Verluſt ſie nun mit Einem Male tief fühlten, brün⸗ ſtig anflehten.

Die Stände ließen am Morgen des nächſten Tages die ganze Verlaſſenſchaft Rudolphs, von der ein genaues Verzeichniß aufgenommen ward, verſiegeln und durch Wachen beſetzen. Der Schatzmeiſter und