Teil eines Werkes 
4. Band (1856) Kaiser Rudolph II. und seine Zeit
Entstehung
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ſchaurig und herzzerreißend ertönte, daß die Gräfin vor Schreck zuſammenfuhr.

Rudolph erwachte aus ſeiner Apathie; er hatte das Gebrüll vernommen und die Stimme ſeines Lieblingslöwen erkannt. Nicht ohne einiger Anſtren⸗ gung erhob er ſich ein wenig und auf die Linke geſtützt, legte er ſeine Rechte auf das Haupt der Gräfin, welche ſich in demſelben Augenblicke unwill⸗ kürlich niedergebeugt hatte, und ſprach mit brechen⸗ der Stimme:

Das war mein Otakar! Er nimmt Ab⸗ ſchied von mir. Du und mein Otakar, Ihr Beide habt es treu mit mir gemeint!

Matter und matter werdend, ſank Rudolph in ſeine Kiſſen zurück. Die leiſen, kaum vernehmbaren Worte:Magdalena! Cäſar! entwanden ſich ſeinen blaſſen, zuckenden Lippen und einen Au⸗ genblick ſpäter die Uhr vom Dome Sanct Veit ſchlug eben die ſiebente Stunde war Rudolph nicht mehr.

Die Gräfin Maria Magdalena drückte ihm die Augen zu.

Du warſt beſſer als Dein Ruf! ſagte ſie, beugte ſich vor ſeinem Sterbelager auf die Kniee und betete für die Seele Deſſen, der Anfangs das