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jedem der gefeſſelten Füße ſo ſchnell und gewandt, ſo ſicher und behutſam eine der großen Adern, daß der Verurtheilte ſelbſt noch dann einige Minuten ruhig weiter ſchlief und, heiter fortſchnarchend, nicht im Geringſten zu fühlen ſchien, daß er ſich langſam verblute. Erſt nach Verlauf von zehn Minuten, nachdem das friſche, maſſenhaft herausſprudelnde Blut die lauen Wogen des Bades roth gefärbt, ſchlug er, urplötzlich wach und nüchtern geworden, die Augen auf und gewahrte, was mit ihm geſche⸗ hen ſei. Trotz der großen Schwäche, die ſich in Folge des ſchon ziemlich beträchtlichen Blutverluſtes des gebändigten Rieſen bemächtigt hatte, verſuchte er herauszuſpringen, als er— glücklicherweiſe ſchon zu ſpät!— ſich überzeugte, daß er an Händen und Füßen gebunden war. Da begann er wie ein ge⸗ reizter Löwe ſeine rothen Mähnen zu ſchütteln und unter lautem Gebrüll, das uns Allen einen paniſchen Schrecken in die Glieder jagte, mit Händen und Füßen ſo rieſig zu wirthſchaften an, daß wir alle Sechs zugleich über ihn herfielen, um ihn daran zu verhindern, die Stricke, die ihn gefeſſelt hielten, zu zerreißen. Als ſein Blick auf das blutgeröthete Waſſer fiel, brüllte er mit einer Kraft, die das Mark in meinen Gliedern erſtarren machte: 8


