Teil eines Werkes 
4. Band (1856) Kaiser Rudolph II. und seine Zeit
Entstehung
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Euch, ſagte Hanns Marquard, genannt Dürbach, mit Eurer gütigen Erlaubniß in ein in Bereitſchaft ge⸗ ſetztes Bad tragen, um dort die Hitze Eures unge⸗ ſtümen Blutes abzukühlen und Euch Euern kanni⸗ baliſchen Rauſch ausſchlafen zu laſſen. Glaubt Ihr, Schurken, ich ſei beſoffen? lallte der Verbre⸗ cher. Ein wenig wohl, glauben wir allerdings, ſagte Mardochäus Delle. Packt Euch, Hunde, ſtammelte er und ſiel auf die Kiſſen zurück, um einzu⸗ ſchlafen. Wir ließen es ruhig geſchehen, weil wir glaubten, mit ihm im ſchlafenden Zuſtande leichter als im wachenden fertig zu werden. Als er, von Neuem wieder eingeſchlafen, wie ein todtmüder Siebenſchläfer zu ſchnarchen begann, faßten alle vier Diener und der Caſtellan den gefeſſelten Rieſen, luden ihn behutſam, wie eine lebendige Leiche, auf ihre nicht minder rüſtigen Schultern und trugen ihn, laut kaiſerlicher Anordnung, in den kleinen Waffenſaal, welcher der Schauplatz ſeines Verbrechens geweſen war. Dorr ſetzten ſie ihn in das bereitſtehende, lauwarme Bad.

Unter dem grellen Scheine der Fackeln, in der lautloſen Stille der Nacht, öffnete der von uns mitgebrachte Chirurg mit Hilfe ſeiner haar⸗ ſcharfen Inſtrumente dem glücklichen Schläfer an