Teil eines Werkes 
4. Band (1856) Kaiser Rudolph II. und seine Zeit
Entstehung
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an. Wir weckten die Dienerſchaft, geboten ihr, kein Geräuſch zu machen und trafen ungeſäumt alle zur Vollziehung des kaiſerlichen Specialbefehls noth⸗ wendigen Vorkehrungen. Als Alles, ganz ſo wie Euer Majeſtät es angeordnet, in Bereitſchaft geſetzt war, begaben wir uns alle fünf, von dem alten Caſtellan und zwei fackeltragenden Dienern geführt, in das Schlafgemach des Verurtheiiten. Dort fan⸗ den wir ihn, erſchöpft von einer abſcheulichen Orgie, die er, wie der Caſtellan berichtet, noch eine Stunde zuvor im Kreiſe angetrunkener Spielgenoſſen und feiler ſchamloſer Dirnen gefeiert, in ſeinem zerwühl⸗ ten Bette. Der Verurtheilte war ſo feſt einge⸗ ſchlafen, daß es uns weder Gefahr noch Mühe ver⸗ urſachte, ihm beide Hände und Füße zu binden. Nachdem dieß geſchehen, koſtete es Zeit und An⸗ ſtrengung, den gebundenen Rieſen aus ſtarrkrampfähn⸗ lichem Schlafe aufzuwecken. Als es uns gelungen war, ihn wachzurütteln, ſchien er noch halb betrun⸗ ken zu ſein, denn er bemerkte nicht, daß wir ihn an Händen und Füßen gefeſſelt hatten, und lallte mit ſchwerer Zunge und ſtierem, weinerhitztem Blick: Wer da? Gut Freund, erwiderte Johannes Frank. Der Verurtheilte ſah uns glotzend an und fragte: Spitz⸗ bubengeſindel, was wollt Ihr von mir? Wir wollen