Teil eines Werkes 
4. Band (1856) Kaiser Rudolph II. und seine Zeit
Entstehung
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Tochter zu ſühnen? Ich verlange nicht, daß ſein Frevel ungeſtraft bleiben ſoll. Ich flehe nur, daß Du das Blut Deines Blutes ſchoneſt und den Schuldi⸗ gen nicht zuin Tode verurtheilſt.

Deine Bitte, Alter, kommt zu ſpät!

Gott meiner Väter! warnm zu ſpät? fragte der Rabbi tief erſchreckt.

Weil ich, empört über die Gräuelthat jenes unverbeſſerlichen Sünders, Montag in der Nacht mit blutendem Herzen, aber ſtarker Hand ſein To⸗ desurtheil unterſchrieben und Dienſtag in früheſter Frühe nach dem Krumauer Schloſſe, in welchem er jenen doppelten Mord vollbracht und das er ſeit jenem unſeligen Tage aus Furcht vor meinem Zorne nicht verlaſſen, fünf meiner vertrauten Diener abgeſchickt, um dort auf dem Schauplatze ſeiner haarſträubenden Verbrechen meine kaiſerlichen Be⸗ fehle ungeſäumt in Vollzug zu ſetzen.

Und was iſt mit ihm geſchehen?

Das wirſt Du früh genug erfahren!

Es wäre alſo keine Hoffnung mehr für Dich und mich, Deinen Sohn zu retten?

Keine, keine! ſagte der Kaiſer gefaßt. Je⸗ den Augenblick erwarte ich die Nachricht vom Voll⸗ zuge der über ihn verhängten Strafe.