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— Seit drei Tagen weiß ich Alles.
— Dann, Herr, hat Dein treuer Unterthan Dir nichts zu ſagen, was Dein edles Vaterherz nicht ohnedieß errathen würde.
— Bis vor drei Tagen, Rabbi Loew, hatte meine Umgebung mir Alles, was geſchehen war, verheimlicht, um mir einen neuen Kummer zu erſpa⸗ ren. Erſt Montag erfuhr ich durch eine Dame mei⸗ nes Hofes das blutige Schauſpiel, das der unnatür⸗ lichſte meiner natürlichen Söhner im Schloß zu Krum⸗ au aufgeführt. Ich bin Deiner Bitte zuvorgekom⸗ men, ſchwer beſchimpfter Rabbi und tief gekränkter Vater Deiner einzigen Tochter, deren traurigen Fall ich nicht minder beklage, als Dich und mich ſelbſt, der ich der Vater jenes herzloſen Böſewichtes ſein ſoll. Ich habe das Beiſpiel jenes alten Römers be⸗ folgt und, im Namen des beleidigten Rechtes, das Don Julius Cäſar mit frechem Fuß zertreten hat, mein eigenes Kind zur Abbüßung ſeiner unerhör⸗ ten Schandthat zum Tode verurtheilt. Rabbi, biſt Du zufrieden mit mir?
— Nein, Herr, das bin ich nicht!
— Kann Deine Rache wohl noch mehr verlangen?
— Glaubſt Du, mein großer Kaiſer, der alte


