Teil eines Werkes 
4. Band (1856) Kaiser Rudolph II. und seine Zeit
Entstehung
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Kapuziner und kehrte um, ohne den Gegendank des Rabhi abzuwarten.

Dieſer ſah ihm dankerfüllten Blickes nach und murmelte leiſe vor ſich hin: 3

Das iſt ein guter, mitleidsvoller Chriſt!

Am Eingange der Burg angelangt, bat er den Hauptmann der wachthabenden Hellebardiere, der ihm ſalutirend entgegen trat:

Führt mich alten Mann zum Kaiſer!

Der junge ſtattliche Sohn des Kriegsgottes ge leitete den alten Prieſter des Friedens die hohen Treppen hinauf bis zum Eingange in die Gemächer des Kaiſers.

Kaum angemeldet, ward er augenblicklich vor⸗ gelaſſen. Der hohe Kaiſer trat dem hohen Rabbi mir der theilnahmsvollen Frage entgegen:

Biſt Du alſo wirklich wieder geneſen? Wie geht's Dir, frommer Greis? ſprach Rudolph und lud ſeinen ehrwürdigen Gaſt zum Niederſetzen ein.

Gnädigſter Herr, entgegnete der Rabbi, welcher Platz genommen, es geht Deinem armen, ſchwergeprüften Knechte wie einem Unglücklichen, dem man eines ſeiner Augen ausgeſtochen, wie einem Vater, dem man ſeine einzige Stütze, ſeine einzige Wonne, ſein einziges Kind geraubt!