Teil eines Werkes 
4. Band (1856) Kaiser Rudolph II. und seine Zeit
Entstehung
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zermalmenden Gram erlegen und ſo tödtlich erkrankt, daß alle jüdiſchen Aerzte Prags, die voll rührender Theilnahme an das Lager des hohen Kranken hin⸗ geeilt, jede Hoffnung ihn wieder herzuſtellen bereits aufgegeben hatten, als der hohe Rabbi nach ſechs⸗ wöchentlichem Leiden durch die Macht des Willens und durch die Magie des Gebetes und durch die Arzenei ſeines frommen Glaubens zu neuem Le⸗ ben genas.

Aber kaum geneſen, erhielt er die Kunde von der Ermordung ſeiner Tochter, deren Leichnam, von der Moldau an's Ufer geſpült, erſt nach vier Wochen in der Umgegend von Krumau in einem Schilf⸗ bett, das die Leiche verſteckt gehalten hatte, halb verfault aufgefunden worden war. Darauf verbrei⸗ tete ſich durch ganz Prag die Grauen und Abſchen erregende Nachricht, daß Delila's Verführer und Mörder kein Anderer als Don Cäſar ſei. Seine eigene Dienerſchaft hatte ihn verrathen. Rabbi Lvew hatte wie ein Athlet mit ſeinem Seelenſchmerze gekämpft und endlich auch ihn überwunden.

Gott hat ſie mir gegeben; der Baſtard meines Herrn hat ſie mir geraubt, ſprach der Rabbi und ſchleppte ſich, geſtuͤtzt auf einen langen Stab, keuchend und langſam, Schritt für Schritt, an die