Teil eines Werkes 
4. Band (1856) Kaiser Rudolph II. und seine Zeit
Entstehung
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251 Achtzehntes Capitel.

Kaiſer Rudolph und Rabbi Bezalel Loew. Don Cäſars Ende.

Der hohe Rabbi Loew, der ſeit dem geheim⸗ nißvollen Verſchwinden ſeiner einzigen Tochter ſie⸗ ben Tage und ſieben Nächte, jammernd und weh⸗ klagend, niedergeſchlagener und ruheloſer als Ahas⸗ ver, alle Gaſſen und Gäßchen der drei Städte Prag durchwandert, um ſein verlorenes Kind aufzuſuchen und an Jeden, der ihm entgegen gekommen war, die Frage zu richten: ob er Delila nicht geſehenz; dieſer Rabbi Loew war ſeit dem achten Tage, an dem er alle Nachforſchungen und die letzte Hoffnung, ſein Kind jemals auf dieſer Erde wiederzufinden, für immer aufgegeben, der unglücklichſte Vater, der be⸗ klagenswertheſte Mann, der zerſchmettertſte Jnde un⸗ ter Gottes mitleidsloſer Sonne, die, wie tiefbetrübt auch Millionen Herzen unter ihr ſchlagen mö⸗ gen, unbekümmert um menſchliches Elend, ruhig und heiter weiter ſcheint.

Am neunten Tage aber war Rabbi Loew den Anſtrengungen des raſtloſen Umherirrens, dem alle Kräfte ſeines Körpers wie ſeines Geiſtes gleichzeitig