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in der erſten Aufwallung ihres Unwillens hingege⸗ ben und ſprachen jetzt nur noch mit einer Beſorg⸗ niß, die ihnen zu großer Ehre gereicht, von Rudolphs Krankheit. Sie ſtürzten ſchaarenweiſe in die neun⸗ zig Kirchen Prags, um hier den Heiland, dort die Jungfrau Maria, heute den heiligen Wenzel und morgen die heilige Ludmila fußfällig anzuflehen, den Kaiſer aus den Banden ſeiner Todeskrankheit zu erlöſen.
Rudolph aber war gar nicht krank, ſondern nur aufgebracht, daß es allen Nachforſchungen bis jetzt nicht gelungen ſei, den Verfaſſer dieſer aufrühreriſchen Schrift und die Druckerei, die ſie zu Tage gefördert, ausfindig zu machen.
Der durch nichts zu beruhigende Zorn des Kai⸗ ſers gelobte ſich, den Schreiber jenes Pasquills, gleichviel wer und was er ſei, dem Arme der Ge⸗ rechtigkeit zu überliefern.
Bis jetzt aber war die Entdeckung und Gefan⸗ gennehmung jenes ſchriftgelehrten Phariſäers nur ein frommer Wunſch geblieben.
Bald, nachdem die erſte Aufregung des Volkes ſich gelegt hatte, hieß es, der Kaiſer befinde ſich— Dank der Vorſehung, welche die Gebete der frommen


