Teil eines Werkes 
1. Band (1856) Kaiser Rudolph II. und seine Zeit
Entstehung
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könnteſt Du reden, meine holde Taube mit dem Oel⸗ zweige, um mir Dein Geheimniß anzuvertrauen, wer Dich an mich abgeſchickt hat, um mit mir die öde Einſamkeit meines Kerkers zu theilen und mir die Qual meiner troſtloſen Abgeſchiedenheit von Allem, was rings um mich lebt, zu mildern und, ſo gut Du es vermagſt, zu erheitern! Jetzt, ſeitdem ich Dich habe, fühle ich mich nicht mehr ſo allein, ſo ganz verlaſſen, wie bisher. Jetzt habe ich wenigſtens Eine Zerſtreu⸗ ung. Jetzt weiß ich ein Weſen um mich, das mir Geſellſchaft leiſtet. Sprich, meine Taube, wer ſandte Dich? fragte er, ihr zärtlich in's treue Auge blickend, gleich als wollte er die Beantwortung ſeiner Frage aus ihren ſtummen aber klugen Blicken herausleſen. Und wer, wer ſandte mir durch Dich dieſes grüne Band, und dieſen Ring, die Du als Symbole der Hoffnung und Liebe an Deinem ſchneeweißen Halſe trägſt? O ich Thor, ich alter Thor! rief er nach kurzer Pauſe. Wie konnte ich nur fragen? Wer anders kann Dich geſchickt haben, als Eva, mein liebes, ſüßes, frommes Kind, das daheim um ſeinen Vater trauert und ſich Deine Flügel wünſcht, um in den Kerker deſſen zu eilen, der hier lebendig be⸗ graben iſt! Wie aber kam Eva zu dieſem Ringe? fragte er den Schlangenreif loslöſend und ihn nach