Teil eines Werkes 
1. Band (1856) Kaiser Rudolph II. und seine Zeit
Entstehung
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ſeiner Gefangenſchaft, aus einem ſüßen Traume(er

hatte von ſeiner Tochter geträumt) erwacht war, flatterte in ſeiner Zelle eine muntere Taube umher.

Sie war weiß, wie friſchgefallener Schnee.

Der Oberſthofmeiſter glaubte noch immer zu träumen, denn er konnte nicht begreifen, wie dieſer Bote des Friedens zu ihm hineingeflogen ſei. Aller⸗ dings hatte er, bevor er ermattet auf ſein Lager hin⸗ geſunken war, vergeſſen, das Fenſter zu ſchließen; doch ſchien es ihm unbegreiflich, daß dieſe ſchmucke Taube auf dieſem Wege zu ihm gelangt ſei, weil(wie wir ſchon früher berichtet haben) die Eiſenſtäbe dieſes

BGitterfenſters viel zu eng aneinander gereiht ſchienen,

um einer Taube Platz zu freiem Durchzuge zu ver⸗ gönnen. Er konnte ſich alſo durchaus nicht erklären, wo und wie ſie zu ihm hineingeflattert ſei.

Aber ſie war nun einmal da, und Georg Popel von Lobkowie hatte an der räthſelhaften Erſchei⸗ nung dieſer Taube eine ſolche Freude, daß er, hoch⸗ beglückt, ſeine abgemagerten Hände zuſammenſchlng und jubelnd ausrief:

— Gott ſei Dank! Nun bin ich nicht mehr allein!

Die Taube ließ ſich nicht ſtören. Sie flatterte mit pfeilſchneller Geſchwindigkeit von einer Ecke der