Teil eines Werkes 
1. Band (1856) Kaiser Rudolph II. und seine Zeit
Entstehung
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Neben dem Hauſe des Kanzlers, der, beiläufig erwähnt, nur zwei Freunde, ſeinen Leibarzt und den Beichtvater des Kaiſers, beſaß und trotzdem, daß er verheirathet war, ſo einſam und zurückgezogen ſelbſt von ſeiner Frau und ſeinen Kindern wie eine kalte, unempfindliche Schildkröte unter ihrem Panzerdache zu leben gewohnt war, alſo neben dem Hauſe dieſes mürriſchen, menſchenfeindlichen Einſiedlers, ſtand die kleine, ſeit den Huſſitenkriegen in Verfoll Sanct Matthiaskirche, von welcher der Aberglaube des Volkes ſich tauſend, oft eben ſo närriſche als un⸗ heimliche Märchen in's Ohr flüſterte. Mehr als ein Gevatter Schneider und Handſchuhmacher von der Kleinſeite will damals vor dem Eingange dieſes Kirchleins alljährlich in der Walpurgisnacht mit dem Glockenſchlage Zwölf denGott ſei bei uns in ei⸗ nem zinnoberrothen Wamms und einer grauen Filz⸗ kappe, mit einem ellenlangen Ziegenbarte und ei⸗ nem ſcheinheilig zwiſchen den Beinen eingeklemmten Schweife, ähnlich jenem eines auf der Lauer liegen⸗ den Fuchſes, mit einer Zither in der Hand mit eigenen Augen geſehen und mit eigenen Ohren ge⸗ hört haben, wie der Böſe, alljährlich in derſelben Nacht, ein verliebtes Ständchen gebracht einer gott⸗ loſen und für alle Zeiten verwünſchten Heidin, der