ſtudiren, weil— wunderbar genug— gerade dieſe Poeſie den Weiberfeind dergeſtalt anregte und be⸗ geiſterte, daß er ſeit Jahren ſchon ſich mit dem Gedanken trug, die fröhlichen Lieder des griechiſchen Sängers ins Böhmiſche zu übertragen.
Nebenbei war der Kanzler ein Sonderling. Vor Allem gefiel er ſich in Aufſtellung höchſt gewagter Hypotheſen, zu denen auch die gehörte, daß ſein von ihm gefeierter Liebling Anacreon nicht zu Teos in Jonien, ſondern in der Umgegend von Leitomiſchl das Licht der Welt erblickt und ſeine Lieder urſpüng⸗ lich in ſlawiſcher Sprache geſchrieben, aber nicht an einer Weinbeere, ſondern an einer Krebsſcheere er⸗ ſtickt ſei. Seine zweite Lieblingslectüre war das berühmte Werk„von der Nachfolge Chriſti. Nach des Kanzlers Anſicht aber ſollte weder der Deutſche Thomas von Kempis noch der Franzoſe Jean Ger⸗ ſon, ſondern ein Slawe, deſſen Name uns entfallen iſt, der Verfaſſer dieſes berühmten Andachtsbuches geweſen ſein.— Alle Erfindungen, die dem menſch⸗ lichen Geiſte zu ewigem Ruhme gereichen, waren nach ſeiner hartnäckig verfochtenen Anſicht aus ſlawiſchem Hirne hervorgegangen. Die Buchdruckerkunſt— dieſe edelſte und erhabenſte aller Erfindungen, welche die Feſſeln des Geiſtes für alle Zeiten geſprengt— war


