Teil eines Werkes 
1. Band (1856) Kaiser Rudolph II. und seine Zeit
Entstehung
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ſchaute aus prächtig vergoldetem meiſterhaft geſchnitztem, aber gleichfalls dick beſtaubten Rahmen eine der lieb⸗ lichſten Madonnen, welche Rudolph vom Hofe ſeines Oheims, des zweiten Philipps von Spanien aus Madrid mitgebracht und vor zehn Jahren ſeinem treuen Diener, dem Kanzler Khurtz von Senfftenau, zum Geſchenke gemacht hatte.

In der Geſellſchaft dieſer ſieben Heiligenbilder, umgeben von einem Trupp fauler, feiſter, zudringli⸗ cher Katzen(der Herr Kanzler haßte die Hunde) pflegte das Alterego des Kaiſers, der die Sorge des Regie⸗ rens ſeinem treubewährten Diener überließ, nicht ſelten

neue Verhaftsbefehle und Todesurtheile gegen die

Feinde der Kirche(er verſtand darunter die Gegner der Jeſuiten) zu vollziehen und jedesmal, ſo oft er durch die Unterſchrift ſeines latiniſirten und bis zur Unlesbarkeit verzerrten NamensCurtius den Kopf eines heimlichen Pieccarben oder böhmiſchen Bruders dem Beile des Henkers überliefert hatte, mit einem augenverdrehenden Blicke auf das Bild Ignazs von Loyola halblaut die Worte, In majorem Dei et Cae- saris gloriam vor ſich hin zu murmeln und dann gleich darauf zur Stärkung ſeiner von gewiſſenhafter Ausübung trauriger Pflicht angegriffenen Lebensgeiſter einige Verſe ſeines Lieblingsdichters Anaecreon zu