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— Ich will Euch eine Geſchichte erzählen.. wollt Ihr mir zuhoͤren?
— Mit Freuden, Majeſtaͤt.
— Einſt, vor hundert Jahren, lebte an einem italieniſchen Hofe eine Dame, die Coelina hieß. Sie war die Tochter des Fuͤrſten. Coelina ſah eines Tages, als ſie, von ihrem Kammerherrn be⸗ gleitet, die Bildergallerie beſuchte, einen Juͤngling, der ihr außerordentlich gefiel. Cvelina wandte ſich an ihren Cavalier und fragte ihn, ob er den jungen Mann wohl kenne. Wohl kenn' ich ihn, ſprach der Marcheſe.. er iſt eines Senators Sohn und nennt ſich Silvio. Silvio! Welch ein ſchoͤner Name, ſprach die Prinzeſſin zu ſich ſelbſt und wiederholte dieſen Namen wohl tauſendmal und oͤfterer noch, ſchrieb ihn auf jedes Blatt, ſchnitt ihn in jede Rinde ein, auf daß ſie niemals ihn vergeſſe. Seit jener Stunde war Silvio ihrer Seele Ideal, ihrer Tage holde Sonne, ihrer Naͤchte ſuͤßes Mondlicht. Coelina liebte ihn, doch Silvio wußte, ahnte nicht, daß ſie ihn liebe— Als ihr Vater, wider ihren Willen, ſie vermaͤhlte, ſank ſie


