Teil eines Werkes 
1. Band (1845)
Entstehung
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W49

Aretino's uͤppige Sonnetten vorleſen, um ihrer Seele wollüſtige Traͤume einzuimpfen. Morgens badete ſie in Weinen mit duftenden Kraͤutern und ließ ſich von einem ihrer Pagen mit wohlriechen⸗ den Oelen ſalben. Auf ihrem Buſen trug ſie in einem blauſeidenen Saͤckchen ein ſilbernes Buͤchs⸗ chen mit cabbaliſtiſchen Zeichen, welche die Kraft beſitzen ſollten, jedem Mann Reiz einzufloͤßen. Als Sixtus der Fuͤnfte ihren Gemahl(1585) in den Bann that, verließ ſie ihn und ſchlug in Agen ihren Hoſſtaat auf. Hier war es, wo ſie ihren zugelloſen Luͤſten voͤllig freien Lauf ließ, hier war es, wo ihre ſchamloſe Liederlichkeit den Gipfel erſtieg. Es wurden Baͤlle veranſtaltet, auf welchen ihre Cavaliere und Kammerfraͤulein, in durchſich⸗ tige Flormasken gehuͤllt, maͤnadiſche Orgien feierten. Die Einwohner von Agen, muͤde ſolcher ſitten⸗ verpeſtenden Unzucht, verjagten ſie aus der Stadt. Von hier begab ſie ſich nach der Auvergne, wo ſie, auf Befehl ihres Gemahls, vom Marquis von Canellac gefangen genommen und in das Schloß

Ueſſon gebracht ward. Von der Außenwelt ab⸗