Teil eines Werkes 
1. Band (1845)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

212

zu wiſſen, daß der Engel, den man liebt, am Her⸗ zen eines Andern ruht! In jeder Nacht erſchienſt Du mir im Traume. Ich ſah Dich, ſah Dich, wie Du Deinen weichen Arm um ſeinen Nacken ſchlangſt, ſah, wie Deine Lippen an den ſeinen hingen und verzweifelte..— Kein Tag, kein Augenblick verging, an dem ich Deiner nicht ge⸗ dacht. wohin ich ſah, ſah ich Dein theures Bild.

— So gings auch mir. In jedem Veilchen glaubte ich Dein Auge, in jeder Roſe Deinen Mund zu ſehen. In der Baͤume leiſem Rauſchen, in der Quelle munterem Geſchwaͤtz, in der Voͤgel lieblichem Geſang, in der Blumen holden Duft vernahm ich Deiner Stimme ſuͤßen Hauch und labte mich daran..

— Wenn Nachts die Sterne in dem blauen Aether ſchwammen, glaubt' ich in jedem Stern Dein holdes Aug' zu ſehen— ich blickte auf zu ihm, ſog gierig ſeine Strahlen ein und ſchickte tau⸗ ſend Gruͤße, tauſend Kuͤſſe durch die Nacht. Die Sterne haben mich verſtanden; ſie lachten freund⸗ lich mild zu mir herab und floͤßten Troſt in mein