Teil eines Werkes 
Die Heimkehr oder Was fehlt uns? : eine Erzählung für das Volk / von O. Glaubrecht
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29. Der Herr behüte meinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit. Pſalm 121, 8.

So weit, mein lieber Leſer, reichen meine ſchrift⸗ lichen Nachrichten über Langenfeld und ſeine Bewoh⸗ ner. Als ich in G. ſtudirte, da fand ich einen Jüng⸗ ling, der hieß Friedrich Reinau, und gleicher Beruf, und Gleichheit der Anſichten, und Gleichheit des Glau⸗ bens band uns an einander, und wir wurden Freunde für Leben und Sterben. Als wir von einander ſchie⸗ den, und er auf Reiſen ging, und ich meinem alten Vater beigegeben ward als Gehülfe im Pfarramt; da gaben wir uns das Verſprechen, uns einander unſere Lebensſchickſale und Erfahrungen mitzutheilen.

Das Verſprechen hielten wir treulich, und wie freute ſich mein Herz, als mir Reinau ſchrieb:Ich bin Pfarrer zu Langenfeld! Da war nun mein Freund zwar weit von mir, aber wir waren uns dem Geiſte nach ſehr nahe, und durch ihn erhielt ich, theils in Briefen, theils in Auszügen aus ſeinem Tagebuch, die Geſchichte ſeines Dörſchens, wie ich ſie hier niederge⸗ ſchrieben. Ich hatte ſie eben vollendet mit dem Briefe des Herrn Schulz an ſeine Frau, und wollte alles Uebrige deinem Nachdenken überlaſſen; da ſchrieb mir mein Freund Reinau, ich müſſe nun endlich mein Ver⸗ ſprechen halten und nach Langenfeld kommen; mein Pathe ziehe ſchon die erſten Hoſen an, und es werde ein großes Feſt in Langenfeld gefeiert, bei dem dürfe ich nicht fehlen. Es waren ſeit der Ankunft des Richard drei Jahre verfloſſen, und es verlangte mich aus Her⸗ zensgrund, meinen Reinau wieder zu ſehen, und ſeine