Teil eines Werkes 
Die Heimkehr oder Was fehlt uns? : eine Erzählung für das Volk / von O. Glaubrecht
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ſollen, was ich verdarb; ich habe Dich verlaſſen und mein einziges Kind, als ich Dir in den Tagen der Noth ein treuer Gatte, und meinem Kinde ein lieben⸗ der Vater hätte ſeyn ſollen. Ich habe ſchwer, ſchwer gefehlt, und erſt ſpät eingeſehen, wie ich gefehlt. Ach, vergieb mir, und verdamme mich jetzt nicht mehr, wo ich durch Gottes Gnade angefangen, Frieden zu fin⸗ den. Als ich nach meiner ſchmählichen Flucht von Hauſe, wo ich Dich im Elend ließ, nach jahrelangen Mühen mir endlich wieder ein Haus gegründet; da wollte ich wieder herüber nach Deutſchland und Dich mit mir nehmen; aber eine Angſt überfiel mich bei dem Gedanken, Du möchteſt mir vielleicht nicht fol⸗ gen, und ich alſo genöthigt ſeyn, in dem Lande mei⸗ ner Schmach zu bleiben. Ich weiß, daß ich mit die⸗ ſem Hochmuthe mich auf's Neue an Dir verſündigt habe; aber er war ja überhaupt der Fluch meines ganzen Lebens, und erſt jetzt, wo mein Haar grau wird, da lerne ich den böſen Feind in mir überwin⸗ den. Richards Rettung und ſein kindliches Verlan⸗ gen nach ſeinem Vater überwand endlich meinen ſtar⸗ ren Sinn, und ich beſchloß, ihn zu begleiten und Dich aufzuſuchen. Ich fand Dich, wo ich Dich nicht vermuthete, in Langenfeld; hinter einer Mauer auf dem alten Schloſſe ſah ich Dich und meine Emma, mein liebes, liebes Kind, und ich mußte laut weinen, als ich Euch ſah. Aber ich ſah auch, auf Deinem Angeſicht ſtand es zu leſen, wie Du den Kampf des Herzens gegen das Fleiſch und die Welt ſiegreich über⸗ wunden, ſah aus dem Auge meiner Emma einen Frie⸗ den ſtrahlen, der nur aus einem Herzen kommen konnte, das Du zum Altar des Herrn gemacht hatteſt; und