Teil eines Werkes 
Die Heimkehr oder Was fehlt uns? : eine Erzählung für das Volk / von O. Glaubrecht
Einzelbild herunterladen

192

doch erſt deinen Aufenthaltsort durch Briefe auszumit⸗ teln. Ich ſchrieb darauf gewiß zehen Briefe in alle mir bekannten Länder Deutſchlands; in einem derſelben, dachte ich, wird doch Langenfeld liegen; aber es kam keine Antwort.

Ach ich alter Sünder! rief da der Eichmann aus.Zwei dieſer Briefe ſind wirklich hier angekom⸗ men, aber ich mochte ſie nicht einlöſen, denn ſie koſteten mich zuviel, und ſo hat ſie die Poſt wieder genommen. Auch war ich zu leichtſinnig damals, um zu forſchen, was in den Briefen ſtünde. Gott, welche Verblendung! O, was iſt doch die Sünde für eine Finſterniß!

Laßt die Vorwürfe, Vater, ſprach freundlich ſein Sohn;es gehörte auch euer Irrthum in den Plan Gottes zu unſerer Freude für dieſen Tag; ich war mehr ſchuld, denn ihr; hätte ich meinen Namen mit dem Aus⸗ tritte vom Schiffe nicht geändert, ſo hätte ich meinen Richard ein Jahr früher gefunden; doch der Menſch denkt's, Gott lenk's. Und nun, lieber Richard, erzähle deine Trauergeſchichte weiter.

Nur halb konnte mich Herr Friedel von der Un⸗ überlegtheit meines Planes überzeugen; ich bat ihn täg⸗ lich, mir das Reiſegeld zu leihen; ich flehte ihn unter Thränen an, mich nur ziehen zu laſſen; ich wollte bei den Freunden meines Vaters, und bei den Verwandten meiner Mutter mir die nothwendige Summe zuſammen⸗ betteln; aber er ſprach immer:Richard, ich bin jetzt dein Vater, und dem mußt du folgen; kommt die Zeit, dann erinnere ich dich ſelbſt an die Abreiſe; aber die iſt noch nicht da! Und ich mußte gehorchen, denn Herr Friedel war mir bis dahin ein Vater geweſen.

Doch die erwünſchte Zeit kam, und mit lautem