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Weinen fiel ich dem Herrn Friedel um den Hals; denn er wollte mich nicht allein ziehen laſſen, meinen Vater aufzuſuchen, ſondern er wollte ſelbſt mitziehen, und mir helfen. Jetzt erſt fühlte ich ſeine große Liebe ganz. Er zeigte mir zugleich eine Menge Briefe, die er über mich und meinen Vater mit Menſchen aus allen Gegenden gewechſelt; aber weiter verriethen ſie nicht deine Spur, als bis auf's Schiff,„die Hoffnung“ genannt. Herr Friedel ordnete ſchnell ſeine Geſchäfte, und wir reiſten nach der Küſte ab.— Wir hatten es uns zur Gewohn⸗ heit gemacht, alle Auswandrer aus Deutſchland, die uns aufſtießen, zu fragen, ob in ihrer Heimath ein Lan⸗ genfeld liege? Einſt, ſo glaube ich noch heute, waren wir nahe daran, etwas Gewiſſes über Langenfeld zu erfahren; aber der Hoffnungsſtern ging unter, ſchnell, wie er aufgegangen war. Wir kamen auf der Reiſe nach der Küſte an einem der neuen Kanäle vorbei, die überall in den Staaten zur Erleichterung des Verkehrs angebracht werden, und ſahen mit inniger Betrübniß, wie eine Menge Auswandrer aus allen Theilen der Erde dort beſchäftigt waren, ihr Hungerbrod ſich zu verdie⸗ nen. Ihre Weiber und Kinder, die nicht mitarbeiten konnten, wohuten in ſogenannten Baracken, oder Erd⸗ hütten, und das kalte Fieber, an dem die Meiſten lit⸗ ten, hatte ſie jämmerlich abgezehrt.„Sind Deutſche dabei?“ fragte ich einen Aufſeher, und dieſer wies ſchweigend auf einen kleinen, blaſſen Mann, der unter Mühe nur zu arbeiten ſchien, und uns ſchielend anſah, weil er einen Theil der Frage verſtanden hatte. Wir näherten uns dem Manne, und ich fragte ihn, mit der Thür ſogleich in's Haus fallend, was ich ſehr bereut habe, woher er wäre?„Aus Langenfeld!“ war ſeine 13


