Teil eines Werkes 
Die Heimkehr oder Was fehlt uns? : eine Erzählung für das Volk / von O. Glaubrecht
Einzelbild herunterladen

178

ker des Leibes in das Land der Freiheit, daß die Liebe der Menſchen oft noch hofft, während ſchon des Geiſtes Glauben zum Schauen geworden iſt. Das nennt man dann einen guten Tod; ich mag's nicht ſo nennen; ich mag's lieber hören, wenn der Sterbende mit Bewußt⸗ ſeyn ſcheidet, und ſeines Heilands Wort:Es iſt voll⸗ bracht! das letzte iſt, was die ſtammelnde Zunge ſpricht. Das nenn' ich einen guten Tod; wem Chriſtus ſein Leben iſt, dem iſt auch Sterben ſein Gewinn.

Aber ich habe dich, lieber Leſer, heute an ein Sterbe⸗ bett zu führen, da ſtarb ein Menſch keines guten Todes; warum?Die Gottloſen haben keinen Frieden! Du gedenkſt gewiß noch des Bernpeters, der an dem Tag, wo der Heckenjakob todtgefunden ward, eine Buche im Burgwald frevelte und verwundet heimgebracht ward, und mit frecher Stirne dann ſchwur, er wiſſe nichts von der That. Seit jenem Abend, an dem der Bernpeter nach aller Menſchen Glauben falſch geſchworen, war der Herr Pfarrer nicht wieder bei dem Kranken gewe⸗ ſen. Er hatte ſeines Herrn Wort dort geredet mit Eifer und Kraft; er hatte ſeines Herrn Drohungen ausge⸗ ſprochen mit Ernſt und Nachdruck; er hatte ſeines Herrn Liebe dem Verirrten und Verwirrten gezeigt in all ihrer Freundlichkeit und Treue; aber es war Alles vergeblich geweſen. So war er denn gegangen und hatte den Unglücklichen der Obhut des Geiſtes Gottes überlaſſen, der da ſucht und findet, und erſchüttert und zerſchmeißt.

Jetzt hörte er, denn es waren Wochen drüber hin⸗ gegangen, daß es mit dem Bernpeter kein gutes Ende nähme; ſein Bein, ſo ſagte man, wolle nicht heilen, das ſey aufgebrochen, und man fürchte den Brand an der Wunde. Zugleich hörte er durch die fünfte, dann