Teil eines Werkes 
Die Heimkehr oder Was fehlt uns? : eine Erzählung für das Volk / von O. Glaubrecht
Einzelbild herunterladen

32

handeln, auch nicht von dem neuen, von des Käsper⸗ chens Gartenwirthſchaft auch nicht; ich muß dir viel⸗ mehr von dem Herrn Jakob mancherlei erzählen, damit du begreifen lernſt, wo die Langenfelder eigentlich der Schuh drückte. Es war noch in den Zeiten des hochſeligen Herrn, wie man in Langenfeld ſprach, da kam oft ein Knäblein in's Ort, das hieß Jakob. Das hatte ein Käſtchen vor ſeiner Bruſt, an einem Riemen befeſtigt, und in dem Käſtchen lagen Feuerſteine und Zündſchwamm, Pfeifendeckel und Knöpfe; es lagen auch wohlfeile Bänder darinnen, und um dieſer willen nannten ihn die Weiber den Bänderjakob. Der Bän⸗ derjakob ging täglich von Haus zu Haus in Langen⸗ feld, Sommers ohne Schuhe und im Winter auch, wenn ſich nicht Jemand über ihn erbarmte und ihm ein Paar Schlappen ſchenkte. Auch die Höschen des Jakob waren nicht immer im beßten Zuſtand, und wo ſie ſchadhaft waren, da hatte er ſie ſelbſt geflickt, und war um die Farbe der Flicklappen gerade nicht verlegen geweſen. Der Bänderjakob war ein ſo gewöhnlicher Gaſt in Langenfeld, daß ihn Alt und Jung kannte, und da er wenig ſprach, und treu war wie Gold, und ehrlich zum Erſtaunen; ſo gaben ihm die Weiber gern ein Stück Brod in den Kauf, auch wenn er nicht darum bat, und ward ihm auch mancher Teller Mittagsſuppe gereicht, den er gerne annahm. Wer ihm aber Brannt⸗ wein reichte, der bekam einen kurzen Dank; denn der Jakob trank keinen Tropfen.

Woher der Jakob kam, das wußte Niemand; ich glaube, er wußte es ſelbſt nicht; auch fragte ihn Nie⸗ mand nach ſeiner Herkunft; genug, er kam und ging, und ging und kam, und war wohlgelitten in Langen⸗