25
guten Tage vergangen.“„Ei, wie das, Herr Förſter?“ riefen die Langenfelder in Einem Ton.—„Seht,“ ſprach er beſorgt weiter,„lebte der hochſelige Herr noch, dann ſollte mir's nicht bang werden, mit dem war gut reden; aber der Junker, ſag' ich euch, mit dem iſt nicht zu ſpaſſen. Der ſteckte ſchon als Kind ſeine Naſe in Alles, was ihn nichts anging, und wäre der hochſelige Herr nicht eine ſo gute Haut geweſen, es hätte ſchon damals einen andern Tanz gegeben. Nun fängt aber ſchon ſeit einiger Zeit ſelbſt der taube Advo⸗ kat an, Pulver zu riechen, und fragt ſo viel über dieß und das, und wird ſo neugierig, daß ich mich neulich habe faſt heiſer ſchreien müſſen. Nachbarn, das bedeu⸗ tet nichts Gut's! Wenn der Advokat anfängt, ſich um Langenfeld zu bekümmern, dann iſt der Junker nicht fern!“ Und der Junker war nicht fern. Einige Wochen nachher gingen einmal an einem ſchönen Morgen alle Fenſter in Langenfeld faſt zu gleicher Zeit auf; denn es kam über den Berg herüber geritten ein Officier, ſtattlich und groß, der ſaß auf einem Schimmel, wie Schnee ſo weiß, und ſein Federbuſch wehete luſtig im Winde, und auf ſeiner Bruſt glänzten eins zwei, drei Orden. So etwas hatte man in Langenfeld noch nicht geſehen.„Wer iſt der fremde Officier?“ fragte Alt und Jung.„Wer anders, rief die Oeſtreicherin, auch die Schloßmamſell genannt, weil ſie viele Jahre Haus⸗ magd bei'm hochſeligen Herrn geweſen war,„wer an⸗ ders iſt es,“ rief ſie,„als unſer Junker! Den kenne ich trotz Schnurrbart und Federhut! Wen die Lore auf Armen getragen hat, den ſollte ſie nicht kennen?“ Und der Junker war's wirklich. Der dicke Förſter ſaß bei'm Morgentrunk, als der Junker in's Schloß einritt,


