Teil eines Werkes 
Die Heimkehr oder Was fehlt uns? : eine Erzählung für das Volk / von O. Glaubrecht
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Gewalt zuvor, da gab's allerlei Redensarten über die Straße hinüber, und ſie ſahen ſich einander nach mit Kopfſchütteln und Keifern, wenn ſie zur Kirche gingen; auch fing das unleidliche Drängen und Vorlaufen bei'm Abendmahl an, und ſie kamen oft wie die erzürnten Truthähne zum Tiſch des Friedens. Daß die Jungen hinter den Alten nicht zurückblieben, das verſtand ſich von ſelbſt. Da mußte jeder Bube ſchon ſeine Tabaks⸗ pfeife haben, und die Mädchen ließen die Mieder ſchwer mit Gold und Seide ſticken. Kurz, es war gute Zeit in Langenfeld; man, man trank, man freiete und ließ ſich freien, und wer ſtarb, von dem ſagte man zwar:Er hat's gut; aber im Herzen dachte man: Wer will's beſſer haben, als in Langenfeld?

1.Es kann ja nicht immer ſo bleiben, hier

unter dem wechſelnden Mond.

Wenn die Langenfelder nach gethaner Arbeit, wie ſie ſelber ſagten, oder vielmehr, wenn ſie Durſt hat⸗ ten, was oft vorkam, bei'm Lammwirth, dem Käsper⸗ chen, ſaßen, der eine Gartenwirthſchaft angelegt hatte, und bei dem man bas kühlſte Märzbier trank; wenn ſie, ſag' ich, ſo bei'm Lammwirth ſaßen, und ihnen das Herz recht weit und die Kehle recht glatt ward; dann ſtimmten ſie oft gemeinſchaftlich das Lied an:Es kann ja nicht immer ſo bleiben, hier unter dem wech⸗ ſelnden Mond. Daß aber Einer nur gedacht hätte, es würde je anders werden, das könnte ich nicht ſagen. Sie meinten, das Herrngut bliebe ihnen immer, und das Achtel Waizen gelte immer 25 Thaler, und das Bier des Lammwirths ſchmecke allezeit gut und friſch. Da