Teil eines Werkes 
Die Heimkehr oder Was fehlt uns? : eine Erzählung für das Volk / von O. Glaubrecht
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aller Orten in Langenfeld die alten Häuſer und Scheu⸗ nen niederreißen und größere bauen. Aber die Bauten, ſo ſchön ſie auch waren, koſteten doch gar viel Geld und das hatten die Langenfelder noch nicht ganz ver⸗ dient. Da mußte denn manch' Kapitälchen geliehen, und das neue, ſchöne Haus auch ſogleich verpfändet werden. Und da viel Muthwill mit dem Bauen ge⸗ trieben ward, und die Wenigſten dem Bauherrn im Cvangelio glichen, der einen Thurm bauen wollte, und zuvor ſaß und überſchlug die Koſten, ob er es habe hinauszuführen; ſo ſtand zwar auf den neuen Häu⸗ ſern in Langenfeld manch' gottſelig Sprüchlein, aber in den Herzen ſtand das Sprüchlein nicht:So der Herr nicht das Haus bauet, ſo arbeiten umſonſt, die dran bauen. Auch betete Salomo nicht umſonſt:Armuth und Reichthum gieb mir nicht, ſondern laß mich mein beſcheiden Theil Speiſe dahin nehmen, und der Herr, der wußte, was in dem Menſchen war, ſprach nicht umſonſt:Wo eure Schätze ſind, da iſt auch euer Herz, und ihr könnt nicht zween Herrn, Gott und dem Mammon, zugleich dienen.

So ſprach dann auch mancher Langenfelder, wenn das Geld in ganzen Haufen einging, die Zinſen be⸗ zahlt waren, und immer noch ein ſchönes Sümmchen übrig blieb, zu ſeiner Seele:Liebe Seele, du haſt einen Vorrath auf viele Jahre, habe nun Ruhe, und trink und habe guten Muth. Und die Langen⸗ felder gönnten ſich immer mehr Ruhe, was ſonſt gar nicht Sitte war im Orte; ſie dingten Knechte und Mägde, und die Herren gingen nur ſo ab und zu. Aber da ſie viel aßen und tranken, mehr als für Ma⸗ gen und Kopf gut war, ſo ging's mit dem Ab⸗ und