Teil eines Werkes 
Die Heimkehr oder Was fehlt uns? : eine Erzählung für das Volk / von O. Glaubrecht
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3. Was den Langenfeldern wirklich fehlte.

Das Loos iſt mir gefallen auf's Liebliche, mir iſt ein ſchön Erbtheil geworden, ſo ſang einſt David im Vollgenuß geiſtigen und leiblichen Glücks. So hätte auch Langenfeld von ſich rühmen und ſingen kön⸗ nen zu Gottes Preis. Man konnte ſich keine ſchönere Gegend denken, als die von Langenfeld. Wenn man über die Höhe von der Stadt herkam, ſo fiel zuerſt ein altes Schloß in's Auge, wo die Väter der Herren von Langenfeld in der Ritterzeit gewohnt, da man noch Harniſche trug, und die Schlöſſer zu Schutz und Trutz auf die Berge baute. Die Herren von Langenfeld wa⸗ ren allezeit gnädige Herren ihrer Unterthanen geweſen, hatten nie ein unehrlich Gewerbe getrieben, wie Viele ihres Standes, ſondern man wußte von Jedem der ſteinernen Ritter, wie ſie auf ihren Gräbern in der Kirche zu Langenfeld in Reih' und Glied ſtanden, etwas Gutes zu erzählen. Der Eine hatte der Gemeinde ein Stück Wald geſchenkt, der Andere hatte ihr eine Weide zur Huth eingegeben, ein Dritter hatte die Frohnden verringert; aber Keiner hatte gelitten, daß ein Bauer ſich an dem Wild vergriff; in dem Stück verſtanden ſie Alle keinen Spaß. Einem der Herren, man wußte nicht, welchem, mochte es da oben nicht mehr gefallen haben, der war herabgezogen nach Langenfeld, und hatte ſich oben am Dorf ein fein Schlößchen gebaut, ſo nett und freundlich und ſo gut gelegen, daß man von da das ganze Dorf überſehen konnte. Das zog ſich den Krümmungen des Bächleins nach, das klar und friſch von dem Berg der Katzenſprung geheißen,

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