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der Vater ſich nähre, und ſeit wann der Großvater den Ortsdienerdienſt habe, und ſchien ein groß Verlan⸗ gen zu haben, Alles zu erfahren. Als er aber nach der Familie Armuth fragte, und woher es komme? da ſprach Gertrud:„Herr, fragt mich nach Allem; ich will euch Alles beantworten; aber das wollt' mir gütigſt erlaſſen, euch zu ſagen, warum wir ſo arm ſind. Mutter will's nicht leiden, daß wir Kinder da⸗ von reden. Ihr ſeyd ja in Märzens Haus geweſen, und habt die Gäſte betrachtet und ihr Geſpräch mit angehört; ſeht, Vater und Großvater ſind auch unter ihnen; nun wißt ihr Alles.“„Kennſt du nicht den Spruch der Schrift, Gertrud,“ fragte der Fremde,„daß der Herr die Herzen der Menſchen wie Waſſerbäche lenket? Zu dem ſtarken Gott, der das thut, da bete täglich auch um deiner Aeltern Heil.“ Damit ging der Fremde in Chriſtophel Märzens Haus hinein.— Wie⸗ der ſtand Gertrud einige Augenblicke vor den Fenſtern des Wirthshauſes, wieder hörte ſie das Lachen und Scherzen der Stammgäſte drinnen. Aber mit anderen Gefühlen hörte ſie jetzt das Lärmen drinnen. Sie löſchte die Laterne aus, denn der Abend war nicht dunkel. Und wie ſie zum Nachthimmel aufblickte, da trat zwiſchen den Schneewolken durch der Vollmond, und der fiel auf zwei thränenfeuchte Augen; aber der den Mond trägt mit ſtarker Hand, der hörte auch das Beten des kindlichen Herzens, und ſein Geiſt flüſterte im Abendwind in's volle, ſehnende Herz der Jungfrau: „Sey getroſt, meine Tochter, dein Glaube hat dir geholfen!“


