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chen hier, das ich euch dalaſſen will, zehn Küglein, wie ihr mich habt thun ſehen. Wie es nun ausſchlägt, ob zu Freud' oder zu Leid, ſo vergeßt das Gebet nicht. „Seyd fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübſal, hal⸗ tet an am Gebet,“ und wiſſet:„des Gerechten Gebet vermag viel, wenn es ernſtlich iſt,“ und der Herr hat ſeine Verheißung nicht umſonſt gegeben:„Rufe mich an in der Noth, ich will dich retten und du ſollſt mich preißen!“—„Herr, wenn ihr nicht Arzt und Engel ſeyd,„rief da die Frau in hoher Rührung aus,„ſo ſeyd ihr gewiß ein Prediger des göttlichen Worts. Wer ſpräche ſonſt mit uns armen Leuten von Gottes Wort! Ich weiß gar nicht, wie mir geſchieht; in meiner jahre⸗ langen Trübſal hab' ich ſolch' ein Troſteswort noch von Niemand gehört, außer von Frau Schulz und meiner Gertrud! Ach, ſagt mir, wer ihr ſeyd, damit ich euren Namen ſegnen kann.“„Mein Name, gute Frau, thut ja nichts zur Sache; den ſollt ihr aber auch erfahren, und ihr werdet damit merken, daß ich kein Pfarrer bin. Aber heute muß ich euch noch fremd bleiben. Nun ſchlaft wohl, und Gott ſey mit eurem Kinde!“ So wollte der Fremde zur Thüre hinaus; aber des Golſers Hausfrau, denn die war die Mutter des kranken Chriſtoph, vertrat ihm den Weg.
„Geh! Gertrud,“ ſagte ſie,„und zünde die Leuchte an, und führe den guten Herrn hinab in's Wirthshaus; er möchte den Weg ſonſt nicht finden!“
Der Fremde ſagte nicht ja und ſagte nicht nein, ſondern er ließ es geſchehen, daß Gertrud die Leuchte anzündete und ihn begleitete. Und als ſie draußen gingen, da fragte er ſie über des Brüderchens Krank⸗ heit, und über die Zahl ihrer Geſchwiſter, und wovon


